Europäische Norm EN 13537

EN 13537:2002 „Anforderungen an Schlafsäcke“ ist die offizielle Europäische Norm für die Kennzeichnung von Schlafsäcken, die auch vorgibt, wie Schlafsäcke getestet und bewertet werden müssen. EN 13537 wird auf alle Schlafsäcke außer auf Militärschlafsäcke und Modelle für Extremtemperaturen (z.B. mit Komforttemperatur unter -25° C) angewendet. 

Die EN-Methodologie definiert Temperaturbereiche, auf die man sich verlassen kann und durch die ein direkter Vergleich mit den EN-Bewertungen anderer Marken möglich wird. Wenn du die zu erwartenden Tiefsttemperaturen auf deiner Tour kennst, vergleiche die EN-Bewertungen und wähle dann den Schlafsack, der deiner Komfortvorstellung am nächsten kommt.

Der Standard ist für die Marken, Distributoren und Händler, die Schlafsäcke in Europa verkaufen, auf Gesetzesebene extrem wichtig. Sollten Schlafsäcke zukünftig als sicherheitsrelevante Ausrüstung definiert werden, wird die EN 13537 Grundlage für alle Tests innerhalb der PPE-Initiative (Personal Protective Equipment) sein. 

Bewertung der Temperaturbereiche

In der Vergangenheit glich der Vergleich verschiedener Schlafsäcke durch den Endverbraucher eher einem Glücksspiel. Die angegebenen Temperaturbereiche waren eher verwirrend als informativ – und in vielen Fällen schlichtweg falsch. Die Wahl des richtigen Schlafsacks wurde auch dadurch erschwert, dass viele Produkte entweder gar nicht oder nach unterschiedlichsten nationalen Standards getestet wurden, die man nicht miteinander vergleichen konnte. Die EN 13537 ist seit 2002 in Kraft; seit 2005 müssen alle neuen Schlafsäcke, die in Europa verkauft werden, EN-getestet sein.

Wie Schlafsäcke nach EN 13537 getestet werden

Für Temperaturtests nach EN 13537 wird eine lebensgroße Puppe (basierend auf dem „Norm-Mann“ und der „Norm-Frau“ mittleren Alters, mittlerer Größe und mittleren Gewichts) mit Heizelementen und Temperatursensoren sowie mit langer Unterwäsche und einer Mütze ausgestattet. Dann kommt die Puppe in den Schlafsack. Dieser liegt auf einer Isomatte in einem klimakontrollierten Raum. Die Puppe wird bis auf menschliche Körpertemperatur aufgewärmt. Sowohl die Temperatur der Luft in der Klimakammer als auch die auf der „Haut“ der Puppe werden gemessen. Anhand dieser Messungen wird die Wärmeisolation des Schlafsacks bestimmt. Die Ergebnisse sind ausschlaggebend für vier EN-Temperaturbereiche:

  • Oberer Grenzbereich – die Temperatur, bei der der Norm-Mann ohne übermäßiges Schwitzen schlafen kann. Dieser Bereich wird ohne Schlafsackkapuze und bei geöffnetem Reißverschluss ermittelt. 
  • Komfortbereich – die Temperatur, bei der die Norm-Frau in einer entspannten Position bequem schlafen kann.
  • Unterer Grenzbereich – die Temperatur, bei der der Norm-Mann acht Stunden lang in einer eingerollten Position ohne aufzuwachen schlafen kann.
  • Überlebensbereich– die Minimaltemperatur, bei der die Norm-Frau sechs Stunden ohne das Risiko des Todes durch Unterkühlung (wobei Erfrierungen an der Haut nicht ausgeschlossen werden) aushalten kann.

Nur ein Schlafsack, der 100 % mit den Vorgaben der EN 13537 übereinstimmt, darf das CE-Zeichen auf dem Produkt oder dem Hangtag tragen.

Temperaturnorm vs. persönliches Empfinden

Jeder Mensch empfindet Temperatur anders. Das sollte auf jeden Fall beim Kauf eines Schlafsacks und dem Vergleich der Temperaturangaben auf den Hangtags beachtet werden. 

Faktoren, die eine durchaus entscheidende Rolle spielen, sind z.B. das Geschlecht, ob man abends ausgeruht oder erschöpft zu Bett geht, wie viel man gegessen hat, ob man Alkohol getrunken hat, oder wie viel man sich im Schlaf bewegt. Außerdem hängt die Wärmeleistung eines Schlafsackes auch von der Lage des Camps (Windexposition, Höhe etc.), der Isolierleistung der Schlafmatte und der Luftfeuchtigkeit ab.